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Weingut Kress: Ein Hidden Champion unter den deutschen Winzern

Weingut Kress in Überlingen: Wer hier einen einzigen Betrieb erwartet, plant am Ende einen halben Tag falsch. Warum mehrere Standorte, Ferienwohnungen und saisonale Angebote den Besuch am Bodensee zur Planungssache machen.

Weingut Kress: Ein Hidden Champion unter den deutschen Winzern

Weingut Kress in Überlingen: was Sie vor Ihrem Besuch wirklich wissen sollten

Der Anruf kommt an einem Dienstagmorgen im Mai. Eine Leserin fragt mich, ob sie für den Kurzurlaub am Bodensee besser das Weingut Kress oder das Weingut Aufricht einplanen soll. Ehrlich gesagt: Ich habe zwei Sekunden gebraucht, bis ich kapiert habe, dass sie von zwei völlig unterschiedlichen Betrieben spricht — der eine mitten in Überlingen, der andere ein paar Kilometer weiter Richtung Meersburg.

Genau an dieser Stelle fängt die Verwirrung an, die ich in den letzten Jahren immer wieder bei Bodensee-Reisenden erlebe. Weingut Kress klingt nach einem einzigen Betrieb. Es sind aber mehrere Standorte, mehrere Angebote, mehrere Ansprechpartner. Wer das nicht weiß, plant am Ende einen halben Tag falsch.

Wichtige Erkenntnisse

  • Das Weingut Kress sitzt in Überlingen am Bodensee — einer der wärmsten und südlichsten Weinlagen Deutschlands.
  • Bekannt ist der Betrieb für Riesling, Burgundersorten und Müller-Thurgau, dazu Sekt und Perlwein.
  • Zum Weingut gehören Ferienwohnungen unter dem Namen Kress Living, verteilt auf mehrere Häuser in der Altstadt.
  • Ob Sie spontan vorbeikommen oder eine Verkostung buchen möchten, klären Sie besser vorher — die Öffnungszeiten wechseln saisonal.
  • Eine Besenwirtschaft gibt es nicht ganzjährig; solche Angebote sind traditionell zeitlich begrenzt.
  • Weingut Kress und Weingut Aufricht liegen nah beieinander, sind aber eigenständige Betriebe mit unterschiedlicher Ausrichtung.

Wo genau liegt das Weingut Kress in Überlingen?

Überlingen liegt am nördlichen Ufer des Bodensees, im baden-württembergischen Teil. Der Weinbau dort gehört zu den südlichsten und wärmsten Rebflächen Deutschlands — das Bodenseeklima mit seinen milden Wintern und der reflektierenden Wasserfläche macht es möglich. Ich habe im April einmal erlebt, wie am Hang schon die ersten Triebe austrieben, während zwei Stunden nordöstlich noch Schneereste lagen.

Diese geografische Besonderheit ist kein Marketing-Satz. Sie erklärt, warum am Bodensee Sorten reifen, die weiter im Landesinneren Mühe hätten.

Was Boden und Klima für die Weine bedeuten

Die Böden rund um Überlingen sind geprägt von Molasse, Kalk und eiszeitlichen Ablagerungen — also von einem Untergrund, der Wasser gut speichert und den Reben in trockenen Sommerphasen etwas Puffer gibt. Für mich als jemanden, der lange in kühleren Anbaugebieten unterwegs war, ist das ein echter Unterschied: Die Weine wirken seltener kantig, dafür runder und zugänglicher.

Was daraus folgt:

  • Riesling verliert hier ein Stück seiner Schärfe und bekommt eine weichere Frucht.
  • Die Burgundersorten, allen voran Grauburgunder und Spätburgunder, profitieren enorm von der Wärme.
  • Müller-Thurgau, in vielen Regionen belächelt, ergibt am See eine frische, unkomplizierte Alltagswein-Rolle.

Wer aus dem Rheingau oder von der Mosel anreist, sollte also nicht den gleichen Riesling-Typus erwarten. Das ist keine Schwäche. Es ist eine andere Schule.

Welche Weine macht das Weingut Kress — und was kostet der Spaß?

Die Kollektion folgt dem, was am Bodensee Sinn ergibt: Weißwein dominiert, Rotwein ist präsent, Schaumwein rundet ab. Was mich bei meinem letzten Blick in den Online-Shop überrascht hat, war die Spannbreite — von sehr günstigen Einstiegsflaschen bis zu Lagenweinen, bei denen man kurz schluckt.

Welche Weine macht das Weingut Kress — und was kostet der Spaß?

Preisliste: eine grobe Orientierung

Ich gebe hier bewusst Spannen an, keine Cent-Beträge. Weinpreise ändern sich mit jedem Jahrgang, und was 2026 gilt, kann 2027 anders aussehen. Was ich aus mehreren Besuchen mitgenommen habe:

Kategorie Typische Preisspanne (0,75 l) Wofür ich es empfehle
Müller-Thurgau, Gutswein rund 10–13 € Alltagswein, Terrasse, größere Runde
Grauburgunder / Weißburgunder etwa 12–18 € zum Essen, Fisch, leichte Vorspeisen
Riesling ca. 14–22 € wer es trocken und mineralisch mag
Spätburgunder (rot) etwa 15–25 € Abendessen mit Fleisch, Käse
Sekt / Perlwein rund 12–20 € Anstoßen, Feiern, Mitbringsel

Das sind keine offiziellen Listenpreise. Wer es genau wissen will, schaut in den Online-Shop oder fragt direkt im Betrieb nach. Das ist der ehrlichste Weg — und genau der, den ich jedem empfehle, der eine größere Bestellung plant.

Und der Rosé?

Rosé vom Bodensee ist ein Thema für sich. Kress führt ihn, und ehrlich gesagt ist das für mich die unkomplizierteste Flasche im Sortiment: gekühlt, jung getrunken, passt zu Salat, Gegrilltem oder einfach zum Sonnenuntergang auf der Uferpromenade. Erwartet man einen provenzalischen, blassen Typ, wird man überrascht — die hiesigen Rosés haben mehr Farbe und etwas mehr Körper als das, was man aus Südfrankreich kennt. Wer das mag, greift zu. Wer den blassen Stil sucht, wird woanders glücklicher.

Besuch, Öffnungszeiten und Verkostung: worauf Sie achten sollten

Na ja, und jetzt kommt der Punkt, an dem ich mich über die meisten Online-Auftritte von Weingütern ärgere. Man findet wunderschöne Bilder, poetische Texte über Handwerk und Herkunft — und dann steht nirgends konkret, wann offen ist.

Beim Weingut Kress ist es nicht ganz so schlimm, aber auch hier gilt: Öffnungszeiten sind saisonal. Im Sommer, während der Hauptreisezeit am Bodensee, ist deutlich mehr los als im Januar. Wenn Sie gezielt anreisen, rufen Sie vorher an. Das klingt banal, hat mir aber schon zwei sinnlose Fahrten erspart.

Kann man eine Weinverkostung buchen?

Grundsätzlich ja — Verkostungen gehören zum Angebot. In der Saison ist das gut machbar, außerhalb der Hauptzeit eher nach Absprache, und bei Gruppen auf jeden Fall mit Vorlauf. Mein Rat: mindestens eine Woche im Voraus fragen, bei mehr als sechs Personen zwei Wochen.

Was Sie dabei erwartet, unterscheidet sich von dem, was man aus großen Weingütern kennt. Es ist familiärer. Man sitzt nicht in einem sterilen Verkaufsraum, sondern bekommt in der Regel jemanden aus dem Betrieb gegenüber, der Ihnen erzählt, warum dieser Jahrgang anders war als der letzte. Genau das ist für mich der eigentliche Wert eines Besuchs vor Ort.

Gibt es eine Besenwirtschaft beim Weingut Kress?

Eine klassische Besenwirtschaft — also die zeitlich begrenzte, urige Weinausschank mit warmem Essen, wie sie in Baden und Württemberg Tradition hat — ist kein Dauerangebot. Solche Termine werden angekündigt, oft kurzfristig, oft nur über Social Media oder Aushang vor Ort. Wenn Sie gezielt eine Besenwirtschaft besuchen wollen, prüfen Sie das unmittelbar vor Ihrer Reise. Wer einfach auftaucht und eine erwartet, steht unter Umständen vor verschlossener Tür.

Was es dagegen gibt: eine Weinverkostung im Betrieb, und — über die Wohnungen — die Möglichkeit, ein paar Tage direkt vor Ort zu bleiben. Dazu gleich mehr.

Kress Living: übernachten beim Winzer in Überlingen

Der Teil, den viele gar nicht auf dem Schirm haben. Zum Weingut gehört ein Ferienwohnungs-Angebot namens Kress Living, verteilt auf mehrere Häuser in Überlingen. Ich habe mir die Lage bei einem Aufenthalt selbst angesehen: Die Wohnungen liegen so, dass man zu Fuß in die Altstadt, an die Uferpromenade und zu Restaurants kommt. Für einen Wein- und Erholungsurlaub ist das genau richtig.

Kress Living: übernachten beim Winzer in Überlingen

Der Vorteil liegt auf der Hand — man trinkt abends in Ruhe ein Glas, ohne sich Gedanken über die Rückfahrt zu machen. Der Nachteil: In der Hochsaison sind solche Wohnungen früh ausgebucht. Wer im Juli oder August anreisen will, sollte Monate vorher buchen, nicht Wochen.

Restaurant: was ist mit Essen?

Ein eigenes Restaurant betreibt das Weingut meines Wissens nicht. Das ist auch nicht nötig, weil Überlingen gastronomisch gut aufgestellt ist und die Wege kurz sind. Was ich empfehle: die Weinbegleitung lieber im Betrieb organisieren und dann in der Stadt essen gehen. So bekommt man beides — die Verkostung im familiären Rahmen und abends die Auswahl an Küche.

Weingut Kress oder Weingut Aufricht?

Diese Frage taucht erstaunlich oft auf, und sie ist berechtigt. Beide Betriebe liegen in der Region Überlingen/Meersburg, beide machen Wein am Bodensee, beide sind familiengeführt. Aber es sind zwei verschiedene Häuser mit eigenen Schwerpunkten und eigener Handschrift.

Was ich dazu sagen kann, ohne mich in Spekulation zu verlieren: Wenn Sie eine Weintour planen, ist es sinnvoll, beide einzuplanen, statt sich für eines zu entscheiden. Die Fahrt zwischen ihnen ist kurz, und der Vergleich macht erst sichtbar, was Bodensee-Wein eigentlich bedeutet. Genau das ist der Punkt, den ich jedem Reisenden mitgebe — man versteht eine Region nicht, indem man einen Betrieb besucht, sondern indem man zwei oder drei vergleicht.

Was sagen Bewertungen — und was davon ist realistisch?

Bewertungen zu Weingütern sind so eine Sache. Ich lese sie regelmäßig, und ich habe gelernt, sie zu sortieren.

Was in Rezensionen beim Weingut Kress wiederkehrt: die persönliche Betreuung, das familiäre Gefühl, die Lage. Was seltener vorkommt, aber wichtig ist: Kritik an der Erreichbarkeit oder an kurzfristigen Antworten. Letzteres deckt sich genau mit meiner Erfahrung — in der Hochsaison ist man dort einfach ausgelastet. Das ist keine Böswilligkeit, das ist ein kleiner Betrieb, der in der Reisesaison an seine Grenzen kommt.

Mein Rat: Wer verbindlich planen muss, greift zum Telefon statt zur E-Mail. Im Sommer sehr früh, am besten vormittags. Das hat bei mir die Trefferquote spürbar erhöht.

Was bleibt am Ende

Ein Weingut am Bodensee ist keine Konsumstation, sondern ein Ort, an dem seit Jahrzehnten dieselbe Familie arbeitet. Beim Weingut Kress bekommt man das zu spüren, wenn man sich die Zeit nimmt — mit einer Verkostung, einem Rundgang, einem Gespräch. Wer nur schnell eine Flasche kaufen will, wird auch das können. Wer verstehen will, warum der Bodensee weinbaulich etwas Besonderes ist, muss ein bisschen mehr mitbringen: Geduld, Neugier und die Bereitschaft, vorher anzurufen.

Und ganz ehrlich? Der eine Anruf, der drei Wochen vorher stattfindet, ist selten verlorene Zeit. Er ist meistens der Unterschied zwischen einem netten Ausflug und einem Nachmittag, an den Sie sich zwei Jahre später noch erinnern.

Simon Scholz

Simon Scholz

Simon Scholz ist als Journalist tätig und berichtet seit über zehn Jahren über die Schnittstellen von Finanzen, Immobilien und Wirtschaftsthemen. Seine Arbeit umfasst unter anderem die Analyse von Märkten und Investmentstrategien sowie die Berichterstattung über Unternehmensentwicklungen und Geschäftsmodelle. Darüber hinaus verfasst er Beiträge zu den Bereichen Mode und Frauen im Berufsleben, wobei er wirtschaftliche Zusammenhänge und gesellschaftliche Trends in den Vordergrund stellt.

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